Marie-Sabine Roger - Das Labyrinth der Wörter

Ich geb es zu: Medimops hat mir einen 10€ Gutschein zum Geburtstag via Mail reingereicht. Da konnte ich nicht mehr widerstehen und habe mir einen neuen Stapel zugelegt. Ingesamt sind es 13 Bücher geworden. Dieses Buch war ziemlich günstig und die Autorin hatte mich bereits mit einem anderen Werk komplett begeistert (das hatte ich Anfang des Jahres im lokalen Bücherschrank gefunden, weitere Infos: hier). 

Eine andere Geschichte, ein anderes Setting aber trotzdem eine Erzählung die dafür gesorgt hat, dass ich es heute direkt fertig gelesen habe. Ein Schreibstil zum niederknien und eine Geschichte die so schön aufgebaut ist, dass ich nicht anders konnte als durch die Seiten zu fliegen. Die Kapitel sind ein wenig in Tagebuchform gehalten, daher relativ kurz und so klar, macht mich einfach komplett fertig. Denn mir fällt es oft schwer Dinge so zu formulieren, dass sie glasklar das wiedergeben, was sie sollen. Ich kann dieses Buch sowie die Geschichte wirklich allen empfehlen, die gerade vielleicht eine kleine Leseflaute haben oder einen leichten Einstieg suchen um einfach mal wieder ein Buch in der Hand zu haben. 

Germain Chazes, 45 Jahre alt, wohnhaft in einer Kleinstadt irgendwo in Frankreich. Seine Freundin Annette wird im Verlauf zur festen Freundin. Er hat keinen Schulabschluss, daher Gelegenheitsarbeiter und er ist nicht unbedingt die hellste Kerze auf der Torte, trotzdem in seinem Interessensgebiet komplett auf Level. Er freundet sich im Park mit der Seniorin Margueritte an, da sie merken, dass sie beide die Tauben zählen. GErmain lebt in einem Wohnwagen im Garten seiner Mutter. Das Verhältnis der beiden ist gar nicht gut. Es gibt immer mal wieder Auszüge aus seiner Kindheit und das er kaum zur Schule gegangen ist. Er wurde ohne Schulabschluss dann als Analphabet einsortiert. 

Die Treffen im Park werden regelmäßiger. Dabei lernen sich die beiden besser kennen und die kleine alte Frau liest ihm vor. Erklärt Wörter die er nicht versteht und spricht mit ihm. Ohne ironischen Unterton, ohne Vorwurf und ohne Mitleid. Germain hat endlich die Förderung die er braucht um aufzublühen. Er macht sich mehr Gedanken, versucht sich Dinge selber zu erklären, lernt den Umgang mit einem Wörterbuch und erschließt sich damit eine komplett neue Welt. Die macht es ihm zwar nicht immer einfach (schließlich ist es ein Labyrinth aus Wörtern) aber da er ein gutes soziales Netz hat, fällt die Veränderung auf, ändert aber an den eigentlichen Beziehungen kaum etwas. 

Seine Flucherei zwischendurch, macht das alles nahbar und schiebt es nicht in eine kitschige Ecke. Es ist auch rein gar nichts sexuelles in der Beziehung zwischen Germain und Margueritte. Ich war mir beim lesen nicht ganz sicher woher der Religionseinschlag kommt. Immer mal wieder entschuldigt er sich bei Gott für das Fluchen, einen Diebstahl in der Jugend oder einen bösen Gedanken gegenüber seiner Mutter. Eine genauere Erklärung gab es dafür nicht. Könnte aber mit der Erziehung zusammenhängen. Der Geschichte an sich schadet es aber nicht. Das ist volllkommen okay. 

Ich bin absolut begeistert und freue mich auf das nächste Buch der Autorin, das ich bereits auf dem Stapel habe. Es wird alles so unaufgeregt und fast sachlich geschrieben. Einfach aus der Sicht von Germain wie er Dinge für sich entdeckt oder versteht. Als Beispiel: als er von der Schule aus zur Berufsberatung musste, hat er angegeben, dass er gerne Kirchenfensterbauer werden möchte. Die Beraterin hat ihm dann eine Glaserausbildung empfohlen. Das hat er aber nicht eingesehen, denn er will ja Kirchenfenster bauen. Die Verknüpfung war ihm einfach nicht klar, dass Glaser die Voraussetzung ist um dann ein Kirchenfenster bauen zu können. Es ist so schön zu lesen, denn es kommt eben ohne Häme aus. Klar wird ihm das immer mal wieder reingedrückt, auch von seiner Mutter, so dass Germain sich bewusst ist, das ihm vieles fehlt. Aber diese sehr ehrliche und schöne Beschreibung von seinen Erfolgen, von seinen immer strukturierteren Gedanken hat einen Zauber, der mich sehr berührt. 

Es ist in keiner Form wichtig für die Bewertung des Buches aber das Cover hat mich mehrmals beschäftigt. Die beiden treffen sich ja zum Tauben zählen. Beim ersten Mal waren es neun und als Germain Marguerritte die einzelnen Vögel vorstellt, erwähnt er, dass die Stammbelegschaft aus 26 Tauben besteht. Insgesamt sind auf dem Einband 28 Tauben, wenn man die Innenseiten nicht mitzählen würde, wären es 23 Tauben. Macht mich fertig :D Aber sobald ich es ins Regal eingeräumt habe, ist auf dem Buchrücken nicht eine Taube zu sehen. Da kann ich dann besser mit umgehen.  

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