Olga Grjasnowa - Der Russe ist einer, der Birken liebt

Der Oktober 2026 bleibt weiterhin furchtbar anstrengend. Daher habe ich zeitlich gesehen, verdammt lange für die 284 Seiten hier gebraucht. Das lag nicht an der Geschichte oder dem Schreibstil der Autorin, sondern daran, dass die Themen im Buch teilweise sehr schwer sind und sich eine Traurigkeit durchzieht, von der ich Pausen brauchte. Teilweise musste ich die Entscheidung zwischen hinlegen oder lesen treffen, die fiel des öfteren auf hinlegen ohne Buch. 

Maria (Masha) und Elias sind ein Paar und leben gemeinsam in Frankfurt. Sie studiert mehrere Sprachen und arbeitet als Dolmetscherin, er ist Fotograf. Maria kommt gebürtig aus Aserbaidschan und sie ist als Kind mit ihren Eltern von dort geflüchtet, nachdem der Krieg um Bergkarabach immer weitere Kreise zog. Die Beziehung zwischen Maria und Elias endet abrupt und danach begleitet man Maria in dem Versuch ihr Leben neu zu sortieren. Neustart, impulsive Entscheidungen (am Ende ein Job in Tel Aviv) und die Suche nach einem Zuhause. 

Viele politische Themen, Alltagsrassismus, Geschichte sowie Krieg werden hier mit in die Geschichte geflochten. Die gewählten Themen waren mir soweit bekannt, dass ich es einordnen konnte, für andere wird es definitiv eine neue Perspektive sein. Gut aufgezogen und nicht erzwungen. Das ist mir gerade bei Romanen die das mit reinnehmen immer wichtig. Es fällt alles an den richtigen Platz und das zur richtigen Zeit. Die Geschichte ist schon arg traurig, das muss man aushalten können. Die kleinen Hoffnungsschimmer die aus sehr besonderen Freundschaften oder Menschen bestehen, fangen das ganze aber doch meist wieder auf. Ziemlich gut dargestellt finde ich den Alltagsrassismus, dem Maria und ihre Freunde einfach nicht entkommen. Egal wie gut sie Deutsch sprechen, egal wie sie aussehen oder wieviel sie leisten. Oft lässt es sich dann doch auf "Du siehst anders aus, du gehörst nicht hierher" runterbrechen. Ich selbst habe das nie erlebt, bin daher auf die Perspektive von Betroffenen angewiesen und nehme das gerne an. Die Frage nach Heimat und Zugehörigkeit ist oft nicht in Ja und Nein zu katalogisieren. Das wird in diesem Buch sehr deutlich herausgearbeitet. 

Man muss etwas Zeit und Laune mitbringen um sich auf dieses Buch einzulassen. Wenn das gegeben ist, lohnt es sich sehr.  


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