Olga Grjasnowa - Die juristische Unschärfe einer Ehe
Ein Buchtipp, den ich in einem Podcast gehört habe. Ich meine, es war der Ostcast, bin mir aber nicht ganz sicher. In der letzten Second Hand Bestellung war dieses Buch dann dabei.
Ich bin immer wieder fasziniert wie Autorinnen und Autoren es schaffen, eine Geschichte zu bauen, die einen Sog entwickeln. Die 265 Seiten habe ich in gut vier Stunden locker flockig weggelesen. Das hat mich teilweise wirklich erstaunt, da einfach so viele Themen mit eingebunden worden sind.
Es geht um eine Dreiecksbeziehung. Leyla war Balletttänzerin in Moskau am Bolschoi Theater. Lebt aber nach einer Verletzung zusammen mit ihrem Ehemann Altay, Psychiater, in Berlin. Die beiden führen eine Scheinehe, denn Leyla ist lesbisch und Altays erste große, männliche, Liebe hat Suizid begangen. Davon hat er sich nie erholt und die Möglichkeit mit Leyla zusammen, via Heirat und Zusammenleben. bewahrt beide zumindest vor den Vorurteilen der eigenen Familie und allgemein in der Gesellschaft. Leyla und Altay kommen miteinander gut zurecht und schlafen zwischendurch auch miteinander. Die Grenzen sind hier komplett fließend. Als Leyla dann aber Jonoun mit in das Beziehungsgeflecht einbaut, wird es schwierig. Denn sie ist chaotisch, unsicher und ein Störfaktor allererster Güte. Um die Wogen zu glätten, geht es auf eine Reise in den Südkaukasus. Nach Baku in Aserbaidschan, wo Altay und Leyla beide gebürtig herkommen. Leyla und Jonoun reisen dann noch weiter nach Armenien und Georgien. Das Ende kommt nicht überraschend, wird aber insofern abgeschlossen, dass die Dreiecksbeziehung soweit geklärt wird.
Leute, was soll ich euch sagen. Da steckt soviel drin. Sei es die politische Situation in Deutschland in Bezug auf Migration oder Homosexualität oder die in Aserbaidschan und Russland. Von der Korruption, dem Herrscherkult, dem Unterschied zwischen arm und reich und vieles mehr. Trotzdem kommen die schönen Aspekte nicht zu kurz. Es hält sich alles die Waage. Ich empfinde das eine sehr gelungene Repräsentation der verschiedenen Länder. Die Behandlung und Ausgrenzung von Altay in Russland ist ziemlich gut dargestellt. Zudem gibt es auch Familiengeschichten und mehr Hintergrund zu den einzelnen Charakteren. Die ganze Beziehungskiste ist eigentlich nur spannend, da sie zweckdienlich ist und das Arrangement durch (vielleicht) Liebe aus dem Gleichgewicht gebracht wird. Die Autorin arbeitet viel mit Metaphern. Gerade wenn es um die Reise nach Baku geht, wird ziemlich oft von Vögeln in Sagen oder in der Mysthik gesprochen. Wenn man bedenkt, dass vorher Vögel tot vom Himmel gefallen sind in Berlin, ist eine weitere Dimension die da aufgemacht wird. Das alles so komprimiert und runtergebrochen zu lesen, ohne das ich je gedacht habe, da fehlt was - einfach nur erstaunlich. Das ist wirklich so gut geschrieben, meine Güte. Ich kann das Buch ohne Einschränkungen empfehlen.
.jpeg)
Kommentare
Kommentar veröffentlichen