Judith Mackrell - Frauen an der Front

Kriegsreporterinnen im zweiten Weltkrieg

Hier werden auf 504 Seiten die Lebensgeschichten, sowie die Kriegseinsätze, von sechs Reporterinnen erzählt. Dreh- und Angelpunkt ist der zweite Weltkrieg. Sechs Frauen, die sich mit Mühe und Not ihren Posten erkämpft haben, um die Welt zu informieren. Mit Lageberichten von der Front oder den Geschichten drumherum. Das ist natürlich komplett mein Thema. Krieg und Frauen die mehr Platz in der Geschichte bekommen sollten. Leider weiß ich nicht mehr genau, wo ich den Titel aufgeschnappt habe aber es war auf meiner Merkliste und war nur kurz hier im Haushalt gestapelt. Manchmal ist es recht zäh, da es viel um die Nazis geht und zwischen den Fronten gewechselt wird. Die Reporterinnen haben sich nur selten getroffen und waren über ganz Europa und Afrika verteilt. 

Die Reporterinnen sind: 

Lee Miller (auf dem Cover zu sehen) 

Martha Gellhorn 

Sigrid Schultz 

Virginia Cowles

Clare Hollingworth 

Helen Kirkpatrick 

Jede einzelne Frau eine beeindruckende Persönlichkeit. Martha Gellhorn kannte ich, da sie on top mit Ernest Hemingway verheiratet war (ekelhafter Typ!) und Lee Miller war mir auch ein Begriff, auf Grund ihres berühmten Porträts in Hitlers Badewanne. Leider finde ich die Doku, die ich damals gesehen habe nicht mehr. Auf YouTube findet man aber einiges zu ihr. Nach ihrem Tod 1977 wurden ihre Aufnahmen sowie Notizen wiederentdeckt und werden aufgearbeitet. Die anderen waren mir nicht bekannt, daher umso schöner hier alles gesammelt in diesem Buch zu finden. Manchmal sind die Sprünge zwischen den Frauen innerhalb der Kapitel nicht ganz klar aber nach rund 200 Seiten hat man sich dran gewöhnt und das Lesen klappt besser. 

Mit was für einer Scheiße die sich damals auseinandersetzen mussten - nicht zu fassen. Teilweise bereits mit Fronterfahrung, wurden sie trotzdem zurückgehalten und sogar eingesperrt. Denn: die Männer in den Frontabschnitten sollten nicht abgelenkt werden. Frauen würden die Moral senken und die allseits beliebte Toilettenfrage sorgte bis in die 70er Jahre noch für abgelehnte Akkreditierungen. Es ging halt wirklich darum, dass die Generäle Sorge hatten, dass Männer und Frauen nicht die gleiche Latrine nutzen können, es Mehraufwand bedeutet, wenn Frauen auf einmal dazukommen und man sich als Frau nicht ins offene Feld hocken kann. 
So genau wurde das aber nie besprochen, da sich die Männer geniert haben und es daher immer nur als Toilettenfrage betitelt worden ist. Die Zeitungen und Verlage haben sich nicht mit Ruhm bekleckert wenn es um die Anstellung von Frauen ging. Die meisten wurden nie oder erst nach Jahren fest angestellt. Die Militärzensur sowie die Verlagseigene Zensur pfuschte in die Berichte mit rein und nebenher standen sie allesamt mitten im Kriegsgeschehen. Kampf an sämtlichen Fronten, ob nun im Krieg, mit Presseoffizieren oder Zeitungshäusern. Es ist komplett verrückt. Denn dazu kommt ja noch, dass alle mehrere Male direkt an Front waren. Die wussten wie es ist, unter Beschuss zu geraten. So gut wie alle haben die Konzentrationslager kurz nach der Befreiung gesehen, einige haben die Operation Overlord (Landung in der Normandie) mitbegleitet und soviel gesehen und erlebt. Krieg macht was mit allen Menschen. Das diese Frauen es sich zur Aufgabe gemacht haben, die Geschichten derer zu erzählen, die es nicht mehr können oder die Angst vor dem vergessen werden haben, berührt mich. 

Alle sechs Frauen haben ein Lebenswerk hinterlassen, dass mich zutiefst beeindruckt. So viel Mut, Ehre, Humor, Empathie (mal mehr, mal weniger) und einer großen Leidenschaft für ihren Beruf - ich kann mich nur verneigen. In einige Biographien werde ich wahrscheinlich einzelnd nochmal genauer reinlesen. Sie haben sich ihren Platz mehr als nur verdient und sollten wesentlich bekannter sein. 


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