Margaret Mazzantini - Niemand rettet sich allein

Das hab ich vor einiger Zeit aus dem Bücherschrank gezogen. Titel klang gut und die italienische Autorin kannte ich noch nicht. Da hab ich ein gutes Händchen bewiesen. Die 218 Seiten habe ich an zwei Abenden gemütlich weggezogen. Lohnt sich sehr, denn die Geschichte ist mal eine andere Perspektive und ziemlich unverblümt. 

Man begleitet Delia und Gae (Gaetano) zu einer Verabredung in einem Restaurant. Währenddessen hat man als Leser oder Leserin die Position, dass man bei beiden im Kopf sitzt und die Gedanken, sowie Flashbacks in die Vergangenheit, mitlesen kann. Delia und Gae leben nämlich nicht mehr zusammen. Die Beziehung startete als die ganz große Liebe. Voller Ambitionen und einem ausufernden Sexleben. Nahe der Perfektion. Gekrönt durch zwei Kinder (Cosmo und Nico). 

Und jetzt? Jetzt sitzt man da in den Trümmern und schaut sich den mal leisen und mal sehr lauten Niedergang einer großen Liebe an. Ich wollte das manchmal alles gar nicht lesen aber aufhören ging dann eben auch nicht. Für mich war es spannend das Scheitern aus beiden Perspektiven zu sehen. Die beiden versuchen herauszufinden, wo genau der Bruch losging. Der Weg dahin ist völlig unterschiedlich. Bei Gaetano sehr sexlastig, er hat sich eine Affäre gesucht und bei Delia ist es eine Kombination aus tiefer Traurigkeit, Unsicherheit und völliger Überforderung. Das ist hier alles so detailliert und trotzdem kompakt aufgedröselt, macht mich fertig. Spannender Aufbau und sehr gut geschrieben. Gute Geschichte, kann das Buch daher sehr empfehlen. Einen Spoiler vom Ende des Restaurantbesuchs verkneife ich mir hier. 

Ein paar Bücher der Autorin wurden bereits verfilmt. Nie gesehen aber ich werde meine Merkliste für weitere Bücher von ihr erweitern. 

"Nie wieder wird sie nach so einer Vertrautheit streben. Enttäuschungen miteinander zu teilen, darauf hatte sich ihre Liebe reduziert. Irgendwann hälst du es einfach nicht mehr aus, hässlich und vernachlässigt dazustehen, wie eine gereizte, unbarmherzige Krankenschwester, die den Tropf ohne Geduld anlegt." (S. 139)  


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