David Benioff - Stadt der Diebe

Das Buch ist mir mehrmals in meinem Insta Feed angezeigt worden. Es sei eine gute Geschichte und schnell zu lesen. Gut, hab es mir dann Second Hand besorgt und mich die letzten Tage hingesetzt. Der Autorenname könnte euch vielleicht bekannt vorkommen, einer der Schreiber der Game of Thrones Fernsehserie. Besonders in Verruf geraten nach der finalen Staffel, die schon arg Müll war. 

Aber nun gut, ich habe dem Buch eine Chance gegeben. Es geht dabei um eine fiktive Geschichte von einem Enkel der die Geschichte von seinem Opa aufschreibt und seine Lebensrealität im besetzten Leningrad während des zweiten Weltkriegs. 

Lew (der Opa) damals 17 Jahre alt wird beim plündern eines Deutschen Soldaten erwischt und ins Gefängnis gebracht. Dort wird auch Kolja, Anfang, Mitte 20, hingebracht, da er sich nicht bei seinem Bataillon befindet. Beide müssen morgens bei einem Oberst antreten und bekommen den Auftrag ein Dutzend Eier zu besorgen. Diese sind für die Hochzeitstorte der Tochter vom Oberst gedacht. Die beiden begeben sich somit auf die Suche in der belagerten beziehungsweise ausgehungerten Stadt. Es wird ein Hahn gefunden, Kannibalen, eine Wanderung hinter die Frontlinien wird gemacht, dort ein Haus mit vier gefangen gehaltenen jungen Mädchen gefunden, um später dann sechs Deutsche Soldaten zu erschießen, zudem wird sich einer Partisanengruppe angeschlossen, die dann in Kriegsgefangenschaft gerät, was zu einer Partie Schach zwischen Lew und einem Oberst der Einsatzgruppen führt. Ab da nimmt der Spannungsbogen wieder ab. Es gibt noch ein, zwei Ausschläge nach oben die den Weg zurück nach Leningrad (heutiges St. Petersburg und im Buch Piter genannt) weniger monoton erscheinen lassen und findet ein "gutes" Ende. So richtig gut, kann es im und nach dem Krieg nicht mehr werden, daher die Anführungszeichen. 

Die Geschichte ist gut konstruiert. Gerade wenn es außerhalb der Stadt spielt, bin ich wesentlich schneller durch die Seiten gekommen. Da sich hier zwei halbstarke Männer befreunden, geht es viel um Sex und um Frauen. Manchmal etwas platt und manchmal viel zu ausschweifend und brutal, gerade wenn es um die jungen Mädchen geht, die von den Deutschen festgehalten werden. Kolja und Lew haben eine gute Dynamik in ihrer Beziehung, das hat mir gut gefallen. Ob die Eier am Ende gefunden wurden oder nicht, lasse ich hier bewusst offen. Denn an Absurdität ist dieser Auftrag nur schwer zu überbieten. Zeigt aber gleichzeitig den immensen Lebenswillen von zwei ausgehungerten und kriegsmüden jungen Männern. Eine Scharfschützin bei den Partisanen nimmt noch eine etwas größere Rolle ein, was mir sehr sympathisch war.  Daher ja, es ist eine gute Geschichte, ich kam relativ schnell durch und gelangweilt war ich nicht. Nur so hoch loben, wie einige Social Media people es gemacht haben, würde ich es nicht. Könnte aber eventuell auch so ein Männerding sein, dass ich mal wieder ungewollt in die Literatur von und für Männer gestolpert bin. Nicht sicher. 

 


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