Noëlle Châtelet - Die Dame in Blau
Letztends aus dem lokalen Bücherschrank gezogen und mitgenommen. Es ist klein, von einer Frau geschrieben und mit 142 Seiten schnell gelesen - alles Dinge die ein Buch dazu bestimmen, bei mir einzuziehen.
Habe damit heute dann anderthalb Stunden auf der Couch verbracht und bin begeistert. Mireille ist 52 Jahre alt, frisch geschieden, lebt in Paris und ihre erwachsene Tochter ist bereits ausgezogen. Sie arbeitet in einer Agentur und ist beruflich ziemlich erfolgreich. An einem schönen Tag, sieht sie auf der Straße eine Dame in Blau daherlaufen. In aller Ruhe, ohne Stress. Alle anderen müssen um sie herumlaufen, Mireille passt sich dem langsamen Tempo an und da fällt dann der Groschen. Eine Zeit voller Müßigkeit, ohne Druck, ohne Job und als Teilzeitbewohnerin in einem Altenheim beginnt. Einfach nichts tun. Sie lernt die Kunst des Schwafelns, besinnt sich auf ihre Bedürfnisse, findet sich mit ihrem Alter und ihrem Körper ab, schweigt und denkt nach. Sie besorgt sich ein blaues Kleid und beginnt nach gut drei Monaten wieder Unternehmungen außerhalb ihres kleinen Kreises. Eine andere Frau läuft in der Stadt schließlich an ihr vorbei und passt sich ihrem wiegenden, langsamen Schritt an.
Die Geschichte zeigt sehr schön, was passiert wenn man realisiert, dass alle Verpflichtungen auf einmal weg sind. Wenn man sich vom äußeren Druck, sowie dem inneren Druck, befreien kann. Vor allem, was diese Freiheit bedeutet, wenn man all die Forderungen (von Arbeit, Freunden und Männern) einfach ignoriert. Sehr schön und bündig hier aufgeschrieben. Teilweise geht mir der Rückzug ein bisschen sehr weit, da Mireille sich nachts für einen Nachttopf entscheidet, um nicht mehr ins Bad zu müssen. Aber der Rückzug an sich, die volle Ausnutzung der me-time, das räsoniert schon sehr mit mir. Manchmal muss das eben sein. Einfach mal aus allem ausklinken, Luft holen, denken, gucken und ein bisschen in sich herumfühlen. Schön ist in der Geschichte auch der Weg zurück. Denn am Ende beschleunigt sie in ihrem blauen Kleid, ihre Schritte wieder und eine andere Frau wird sich diese Auszeit nehmen können.
Es gab heute nichts schöneres als einer Frau beim entspannen und bei der Selbstfindung, lesend, zuschauen zu können. Vor so einem Schreib- und Erzählstil zieh ich meinen Hut. Es wird nie aufhören mich tief zu beeindrucken. Zudem wundert es mich überhaupt nicht, dass die Autorin für diese Geschichte ausgezeichnet worden ist. Kann es sehr empfehlen.
.jpeg)
Kommentare
Kommentar veröffentlichen