Das Erich Kästner Lesebuch

Mit Illustrationen von Karsten Teich

Das Buch habe ich letzte Woche im zweiten lokalen Bücherschrank gefunden. Kurz reingeblättert: es sind Gedichte! Daher habe ich das dann nach Hause getragen. Heute hingesetzt und gemütlich einmal durchgelesen. Sind ein paar sehr schöne dabei! Leider auch zwei, die das N-Wort drin haben. Da krieg ich immer einen Knick im Gehirn, denn das Buch wurde 2009 verlegt, hätte man sich da nicht vielleicht schon Gedanken um eine Lösung machen können? Wenn mir jetzt jemand kommt mit "Das war damals so; kannst doch nicht zensieren; stell dich nicht so an; nix darf man mehr sagen..." - Ich block euch kommentarlos weg. Denn die Diskussion kann man 2026 ruhig mal führen. Das N-Wort kann und darf man meiner Meinung nach zensieren. Fußnote dran, warum es nicht ausgeschrieben ist und fertig. Wo Problem? Das behindert den Lesefluss für mich weniger als das Wort ausgeschrieben da stehen zu haben. 

Es handelt sich bei diesem Buch um eine Gedichtsammlung, die in vier Themenblöcken verschiedene Kästner Gedichte zeigt. Für einen Überblick und um ein Gefühl für die Reime zu bekommen, ist das hier top.  

Titel der Kapitel sind: 

Einst haben die Kerls auf den Bäumen gehockt 

Ja, das mit der Liebe 

Kennst du das Land...

Leben ist immer lebensgefährlich  

Ich bin ehrlich, Kästner ist immer ein guter Einstieg in die Lyrik. Die Gedichte sind nicht zu kompliziert, die Reime sind schön und die Themenauswahl ist ebenfalls gut. Ein kleines persönliches Problem beim lesen war, dass ich die Gedichte mit der Stimme von Moritz Neumeier im Kopf gelesen habe. Er hat vor einiger Zeit im Podcast Talk ohne Gast am Ende einer Folge ein Gedicht vorgelesen. Da waren auch einige von Kästner dabei.  

Mein Lieblingsgedicht aus diesem Band ist das folgende, im Buch auf Seite 80 zu finden: 

Sachliche Romanze

Als sie einander acht Jahre kannten

(und man darf sagen, sie kannten sich gut), 

kam ihre Liebe plötzlich abhanden.  

Wie andern Leuten ein Stock oder Hut. 

 

Sie waren traurig, betrugen sich heiter,

versuchten Küsse, als ob nichts sei,

und sahen sich an und wußten nicht weiter.

Da weinte sie schließlich. Und er stand dabei. 

 

Vom Fenster aus konnte man Schiffen winken. 

Er sagte, es wäre schon Viertel nach Vier

und Zeit, irgendwo Kaffee zu trinken. 

Nebenan übte ein Mensch Klavier. 

 

Sie gingen ins kleinste Café am Ort

und rührten in ihren Tassen.

Am Abend saßen sie immer noch dort.

Sie saßen allein, und sie sprachen kein Wort

und konnten es einfach nicht fassen. 

  


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