Christa Wolf - Kassandra

Ich habe diesen Teil der Welt- und Bestsellerliteratur aus einem Bücherschrank gezogen. Immer mal wieder von gehört, gar nicht so seitenreich - dachte, dass les ich mal flott durch. Drei Tage! Teilweise nach 20 Seiten abgebrochen, da mir mitten in den Sätzen die Gedanken wandern gegangen sind. Das war richtig Arbeit. Das sogar, obwohl ich in der Marterie eigentlich ganz gut drin war, durch mein Geschichtsstudium.  

Es geht um die (fiktionale) Sicht von Kassandra, die als Seherin und Tochter des Königs von Troja, den Krieg gegen die Griechen erlebt. Ihr erinnert euch, das trojanische Pferd dies das. 
Da sie ihren 155 Seiten langen Monolog im Angesicht des Todes wiedergibt, schmeißt sie da so ziemlich alles rein, was ihr einfällt. Nach einer Zeit hat man die Namen einigermaßen drauf aber da es eben an die Odysseus und Ilias Sage angelehnt ist, ist der Schreibstil schon sehr gewöhnungsbedürftig.  
 
Was mich hier aber gerettet hat, ist vor allem der Hass. Der Hass von Frauen auf Männer und auf Krieg. Achill, das Schwein wird von allen gehasst und das wird sehr schön dargestellt und beschrieben. Ein kurzer Einschub der Amazonen hat mich ebenfalls sehr glücklich gemacht. Dafür hat sich das Durchhalten dann schon gelohnt. 
 
Wenn man sich ein bisschen Mühe gibt und aufmerksam bleibt beim lesen, dann ist das, besonders auf den letzten 50 Seiten, sehr gut zu lesen. Da liegt dann doch ein gewisser Zauber in der Sprache und im Schreibstil. 
 
"Diese Worte haben für uns keinen Sinn. Schwerer, leichter: Wie soll man solche feinen Unterschiede treffen, wenn alles unerträglich wird?" (S. 130)  


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