Sven Regener - Herr Lehmann

Hier mal wieder ein Fund aus dem lokalen Buchschrank. Ich hatte den Titel zwar auf dem Schirm aber nie gelesen. Daher kam das Buch mit nach Hause. Es ist klein, 285 Seiten und ging mit auf meinen Tagestrip nach Leer. Im Zug dann gemütlich gelesen, die restlichen Seiten habe ich mir heute dann auf der Couch reingefahren. 

Manchmal ist es etwas langatmig, an sich aber eine gute Geschichte. Langatmig wird es, da Herr Lehmann gern komplizierter mit sich selbst spricht und mit anderen Leuten genau so interagiert. Die Geschichte an sich ist aber schon schön. Frank Lehmann, Karl Schmidt (bester Freund), Erwin (Chef, Inhaber von ca. 10 Kneipen), Katrin (Köchin und Liebhaberin), Kristall-Rainer (Stammgast, vermutlich Zivilbulle, sowie Schwerenöter) und all die anderen schön geschriebenen Charaktere im Berlin-Kreuzberg Setting im Jahre 1989, kurz vor dem Öffnen der Mauer. Spätsommer, Frank Lehmann steht kurz vor seinem 30. Geburtstag und bummelt durchs Leben. Seit knapp neun Jahren wohnt er in Berlin und hat sich dort eingerichtet. Ein Job in Erwins Kneipe Einfall, ein gutes soziales Netz und die langsam ankriechende Angst vor dem anstehenden Besuch der Eltern, die via Busabenteuerreise aus Bremen angekachelt kommen. Viel Humor mit einer Prise Tragik in den einzelnen Schicksalen und  all den zwischenmenschlichen Beziehungen. Karl arbeitet mit in den Kneipen, hilft Herrn Lehmann beim Dating und dreht am Ende des Buches leider völlig durch. Die Kunstaustellung macht ihm sehr zu schaffen. 

Ein richtig charmanter Einblick in den (West-) Berliner Alltag der 80er Jahre. Vor allem in die Kneipenkultur. Ich musste ein paar Mal schmunzeln und es hat mich gut unterhalten. Nach den ersten 50 Seiten wird es deutlich einfacher mit dem lesen, da man sich an die teilweise verkopften Gedanken sowie Dialoge gewöhnt hat. Für zwischendurch absolut empfehlenswert. 

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