Kersty Grether, Sandra Grether - Rebel Queens

Frauen in der Rockmusik 

Der Buchtitel hat mich direkt angesprochen! Zudem ist es ein Mängelexemplar, was bedeutet ich habe es ziemlich günstig ergattert. Heute konnte ich dieses Schmuckstück dann fertig lesen. Der Einstieg ist ein bisschen mühsam aber sobald es in die Musikjahrzehnte und deren Protagonistinnen geht, bin ich sehr flott durchgekommen. Interessante Ansätze, Essays, Perspektiven, Einordnungen und unveröffentlichte Interviews machen dieses Buch wirklich zu einem sehr guten Überblickswerk. Das die beiden Autorinnen ebenfalls Musikerinnnen und unter anderem für Musikzeitschriften geschrieben haben, hilft dem Ganzen ungemein. In Teilen sehr theorielastig, trotzdem hilft es für das Gesamtverständnis. Als reine Hörerin von Musik, kann ich mit den ganzen Stimmlagen sowie Resonanzen nicht wirklich viel anfangen, freue mich aber immer, wenn Expertinnen mir genau sowas näher bringen. Einige Musikerinnen kannte ich bereits, andere waren mir komplett neu. Alles nicht schlimm, denn heutzutage kann man sich vieles schnell anhören beziehungsweise angucken. Viel geiler ist aber, dass die beiden eine Playlist erstellt haben, die man sich via QR Code im Buch anhören kann. Komplett gut! Außerdem sind die Literatur- und Quellenangaben sehr gut. Habe mir einiges angestrichen, denn manche Themen würde ich gern noch näher betrachten. Oder anders gesagt: Ich möchte weitere Geschichten aus diesem Kosmos hören und lesen. 

Das Buch ist in Jahrzehnte aufgeteilt und beinhaltet verschiedene, ausgewählte Musikerinnen und Bands. Es sind nicht immer nur Biopics sondern teilweise Vergleiche oder ein bestimmter Aspekt der hervorgehoben wird. Das hat mir sehr gut gefallen. Natürlich spielt der Feminismus und die damit einhergehenden Kämpfe eine große Rolle. Noch heute ist ein Großteil der Plätze innerhalb von Labels, Booking Agenturen oder Veranstaltern komplett männlich besetzt. Viele Frauen haben sich ihren Platz auf der Bühne hart erkämpft und waren weit mehr, als das, was die Musikjournalisten aus ihnen gemacht haben. Egal ob mit oder ohne Gitarre (mit oder ohne Instrument, allgemein gesprochen). Beeindruckende Künstler:innen, beeindruckende Frauen, Ideen und Geschichten. Alles auf den Bühnen dieser Welt. Kann dieses Buch sehr empfehlen für einen erweiterten Einblick in die Musik, Musikgeschichte und die Industrie dahinter. Die Bilder im Buch sind sehr schön ausgewählt. 

Inhalt 

1940er Wer erfand den Rock 'n' Roll 

1950er Lust aloud 

1960er Sonnenaufgang Gegenkultur 

1970er Das Jahrzehnt der Extreme: zwischen Emanzipation und Dämonisierung 

1980er Das symbolische Jahrzehnt: Es darf nur eine gebene: von Ausnahmefrauen und Aliens 

1990er The Revolution Will be Televised: Spielverderber:innen vs. Spaßtyrannen 

2000er A Space for One's Own: von MTV zu YouTube und MySpace 

2010er Empowerment ist, wenn ein Macker sauer flennt. Oder: Back to the Streets via Social Media 

2020er Endlich! Anything goes. Oder: Regenbogen im Sonnenuntergang 

Einziger Wermutstropfen: Manchmal fand ich das wording ein bisschen platt. Ist aber ein rein persönliches Geschmack-Ding. Nur weiß ich nicht, warum man im Zuge des Kapitels über Gossip, Beth Ditto als Wonneproppen aus der Wohnwagensiedlung bezeichnet. Das ist eine Frau, mehrgewichtig ja. Aber Wonneproppen, ich weiß nicht. Muss nicht. Aber sonst hab ich absolut nichts zu meckern.  

 


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