Barbara Demick - Im Land des Flüsterns

Geschichten aus dem Alltag in Nordkorea 

Das Buch habe ich von meiner besten Freundin zum Geburtstag bekommen (und noch ein Buch, dass behandelt die Shackleton Expedition). Sie hat recherchiert und herausgefunden, dass es als gutes Sachbuch gehandelt wird. 

Da kann ich mich der allgemeinen Meinung nur anschließen. In Nordkorea war ich literaturtechnisch noch nicht. Ein paar Dokumentationen habe ich gesehen, viel Kim Jong-un und seine militärischen und architektonischen Auswüchse. Das es mal eine Hungersnot gab war mir auch bewusst. Vieles wurde mir durch dieses Buch sehr eindringlich gezeigt. Das war und ist alles schlimm was da in Nordkorea passiert. Die Autorin hat sich mit sechs Geflüchteten aus Nordkorea in Südkorea getroffen. Die ausführlichen Interviews wurden dann von ihr zu einer Geschichte zusammengesetzt. Unterschiedliche Menschen die im Norden des Landes, in Chongjin, abseits von Pjöngjang leben und später dann über China fliehen. 

Die Berichte aus der großen Hungersnot von 1994-1998 sind schwer auszuhalten und sind aus eurozentrischer Perspektive kaum nachvollziehbar. Seit der Covid 19 Pandemie sind die Nahrungsmittel erneut knapp in Nordkorea. Die Vereinten Nationen schätzen, dass etwa die Hälfte der Bevölkerung aktuell mangel- oder unterernährt ist. Was mich zudem sehr berührt hat, waren die Momente, in denen die Menschen begriffen haben, dass sie komplett in einer Blase voller Lügen gelebt haben. Das der große Führer oder Marschall nicht daran interessiert war/ist, alle Einwohner zu retten oder mit Nahrung zu versorgen. Wenn die Indoktrinierung anfängt zu bröckeln und die Realität kickt. Das ist alles schon doll und das die nordkoreanischen Geflüchteten einen 1-2 monatigen Kurs in Südkorea machen müssen um überhaupt einen Alltag, abseits von Arbeiterkollektiven, leben zu können, fühlt sich komplett wirr an, ist aber mehr als notwendig. Viele verfallen in Verbitterung oder müssen ganz von vorne anfangen. Ein abgeschlossenes Studium wird außerhalb von Nordkorea nirgendwo anerkannt. 

Ein wahnsinnig guter Einblick in den Alltag abseits der nordkoreanischen Hauptstadt und in den individuellen Ausbrauch aus dem System. Kann es sehr empfehlen. 


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