Marina Lewycka - Die Werte der modernen Welt unter Berücksichtigung diverser Kleintiere
Warum liegt da ein weißer Schnipsel auf dem Buch? Das klär ich direkt mal auf. Habe das Buch aus dem lokalen Bücherschrank gezogen und es ist eine aussortierte Bibliotheksausgabe. Daher ist vorne prominent ein Sticker der Bib mit Strichcode drauf. Da ich mich hier nicht komplett doxen will, habe ich ein Stück Papier drüber gelegt.
Die Autorin kannte ich vorher nicht aber es gab eine Zeit letztes Jahr, in der mir die weiblichen Autorinnen hier auf dem Stapel ausgingen. Der Titel klang nett, deshalb kam es dann mit zu mir nach Hause. Obwohl es 457 Seite sind, bin ich ziemlich gut durchgekommen. Der Roman ist gut strukturiert und setzt sich sehr schön, Kapitel für Kapitel, zusammen.
Es dreht sich alles um eine Familie und die einzelnen Familienmitglieder (später auch Kommunenmitglieder). Zeitlich liegt das Ganze um die Finanzkrise 2007/2008 herum und spielt in England, genauer in London und in Doncaster, Mitte von England. Serge, Mathematikstudent, wechselt von der Uni in die Bank und handelt dort mit Hypotheken und Derivaten. Er ist der Sohn von Doro, die Mutter die zusammen mit ihrem Lebensgefährten Marcus in einer Kommune gelebt und für eine bessere Welt gekämpft hat. Clara ist die Tochter und arbeitet als Lehrerin in einem sozialen Brennpunkt. Dann gibt es noch Oolie-Anna eine Mittzwanzigerin, die von Doro und Marcus aufgezogen wurde, das Down Syndrom hat und sich sehr für ihre Unabhängigkeit einsetzt.
Alle sind von ihren früheren Werten abgerückt und haben sich in einen gewissen Alltag eingelebt. Die Geschichte zeigt sehr schön, wie sich Standards und moralische Vorstellungen verschieben können. Es gibt immer wieder Rückblenden auf das Leben und die Kindheit in der Kommune. Wildes Projekt einfach. Dann springt es wieder in die jetzt Zeit und zeigt den Kontrast. Es werden sehr viele Themen abgearbeitet (Umweltbewusstsein und Klimafragen, soziale Gerechtigkeit, Freiheit und Konflikte zwischenmenschlicher Art), viele Ebenen und ein paar Geschichten sind klug verschachtelt und lösen sich erst im Verlauf weiter auf. Was die Kleintiere aus dem Titel angeht, bin ich ehrlich, hat sich mir nicht ganz erschlossen. Ich habe noch im Kopf: mehrere Hamster, einige Kaninchen und eine Kakerlake. Vielleicht könnt ihr da mehr reininterpretieren wenn ihr es gelesen habt.
Wenn man Zeit und Muße hat für einen etwas ausufernden Roman, der trotzdem nicht langweilig ist, kann man sich dieses Buch ohne Zweifel ranholen. Mir hat es Spaß gemacht und es war eine gemütliche Zeit auf der Couch. Nur das Ende hat mich enttäuscht. Es war nach meinem Geschmack viel zu abrupt und zu offen.
.jpeg)
Kommentare
Kommentar veröffentlichen