Katrin Eigendorf - Erzählen was ist
Berichten am Limit in einer Zeit der Kriege
Dieses Buch habe ich im lokalen Thalia gesehen und aus Interesse mitgenommen. Ich kenne ein paar Reportagen von Katrin Eigendorf, die viel rumgekommen ist und als Fernsehjournalistin sowie Kriegsberichterstatterin arbeitet. Sie ist engagiert, nah dran und ihre Berichte aus den Krisengebieten der Welt sind mit verschiedenen Preisen ausgezeichnet worden. Hier schreibt sie über einige Erinnerungen an Reportagen und sortiert im Rückblick nochmal Gedanken zum journalistischen Ansatz, angebliche Objektivität, Bedrohung durch Falschinformation und Risikobewertung von Einsätzen in Kriegsgebieten. Zudem erzählt sie, wie sie aufgewachsen ist und in ihren Beruf gefunden hat.
Prolog
1. Die Unbeugsamen - Afghanistan 2022
2. Das Jahr der Freiheit - Deutschland 1983
3. Lehrjahre - Russland 1993-1999
4. Ein Funke der Hoffnung - Afghanistan 2004-2009
5. Die Republik der Träumer - Ägypten 2011
6. Wenn nichts mehr bleibt - Afghanistan 2021
7. Hinter Mauern - Israel 2023-2025
8. Was wir nicht sehen wollen - Ukraine 2014
9. Wahrheit und Lüge - Deutschland 2015
Epilog, Danksagung, Literaturauswahl
Im Großen und Ganzen kann man das sehr gut weglesen. Spannende Einblicke in den Journalistenalltag und viele Hintergründe. Gerade die Geschichten aus Afghanistan sind sehr berührend. Es sind ein paar Formulierungen drin, die ich persönlich schwierig finde. Beim lesen bin ich bei den Zeilen über Zarifa Ghafari (26 jährige Bürgermeisterin, Überlebende eines Mordversuchs, 2018) gestolpert: "Vor allem ihre Hände haben hässliche Narben." S. 148. Warum? Warum formuliert man das so? Ich habe gerade das Buch nochmal zur Hand genommen und genau den Satz wiedergefunden, ohne ihn markiert zu haben, weil es mich komplett genervt hat. Außerdem ist der Abschluss des Israel Kapitels, für mich, mehr als fragwürdig. Allein die Idee, dass die Politik Trumps in irgendeiner Form hilfreich wäre und der Frieden zwischen Israel und Iran nach dem 12 Tage Krieg letztes Jahr Bestand hätte, sind für mich komplett illusorisch. Klar, man kann den kleinsten positiven Punkt da rausziehen aber für mich ist das einfach nicht genug, denn der Schaden ist viel größer als ein fragiler Waffenstillstand. Vor allem, wenn man darauf hinweist, wohin sich die Auto- und Technokratien entwickeln. Ganz schwierige Kiste. Im letzten Kapitel zur Ukraine, als die Journalistin in Donezk vor Ort war, fehlt mir ein bisschen die Klarheit. Separatisten, Aufständische, Rebellen und die Maidan Einordnung auch ein bisschen schwammig. Da bin ich vielleicht auch zu verwöhnt von anderen Autorinnen, die das einfach klar benennen und den russischen Einfluss deutlicher aufzeigen.
Streitbare Punkte aber das ist absolut kein Problem. Wir haben einen gemeinsamen Nenner, daher passt das schon. Zudem bin ich allen Journalistinnen und Journalisten dankbar, die sich die Mühe machen, die Geschichten der Menschen vor Ort zu erzählen. Ich höre sie mir alle an.

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