Alison Espach - Und plötzlich warst du fort
Wo genau ich den Titel mal aufgeschnappt habe, weiß ich leider nicht mehr. Nur, dass es seit einiger Zeit gestapelt in der Wohnung lag und Second Hand hier eingezogen ist.
Es liest sich ziemlich gut und ich bin relativ schnell durchgekommen. Auf 413 Seiten erzählt Sally Holt ihre Geschichte. Das ganze Buch ist so aufgezogen, dass Sally ihr Leben ihrer verstorbenen älteren Schwester, Kathy, erzählt. Kathy stirbt bei einem Autounfall, bei dem ihr Freund Billy einem Hirsch ausweicht und das Auto vor einen Baum setzt. Sally sitzt auf der Rückbank und erlebt alles mit, bleibt körperlich unverletzt. Billy ist schwer verletzt, Kathy sofort tot.
Und ab da setzt eine völlig schräge Dynamik ein. Sally erzählt weiterhin von ihrem Leben in der Schule, von Freunden und Beziehungen, die Probleme mit ihren Eltern und wie diese mit der Trauer umgehen. Aber der Partner ihrer vestorbenen Schwester wird für sie ein immer wiederkehrender Punkt. Nächtelange Telefonate, geheime Treffen und das Gefühl einer tiefen Verbindung die nicht nur von Trauer herrührt. Irgendwann schlafen Billy und Sally miteinander. Er entscheidet sich aber für ein Leben in einer Ordensbruderschaft, Sally geht studieren und später nach New York, wo sie ihren Verlobten Ray kennenlernt.
Kurz vor einem Hurrikan, der natürlich den Namen Kathy trägt, findet Sally sich bei ihren Eltern ein, trifft erneut auf Billy, der doch nicht in den Orden eingetreten ist. Da ist das Finale dann platziert. Das rein objektiv betrachtet sehr gut gewählt und ausgeschrieben ist. Allgemein ist das Buch und die Story gut aufgebaut. Es ist einfach die Beziehung zwischen Sally und Billy, die mich immer noch etwas ratlos zurück lässt. Das kann man alles so machen und hebt sich eben ab, von den Standardromanen, die sich um Verlust und Trauer drehen. Ich schreib das nun einmal ein bisschen doll und klar: Billy bumst die kleine Schwester seiner verstorbenen Partnerin, die mit im Auto saß, als er es vor einen Baum gesetzt hat. Und Sally gibt sich die größte Mühe ihre Gefühle zu unterdrücken aber es funktioniert einfach nicht. Es scheint als seien die beiden füreinander bestimmt. Was es nicht weniger komisch macht, bin ich ehrlich. Wichtig, das Ganze sitzt nicht in der Schmuddelecke. Die Dynamik ist einfach so anders, dass man sich da erst ein bisschen reinfinden muss.
Man kann es sehr gut lesen und es ist eben keine Blaupause für Trauerarbeit, Liebe und Verlust. Zeigt schön, wie unterschiedlich man mit schweren Situationen umgeht und wie individuell das ganze Thema ist. Mir bleibt die Geschichte auf jeden Fall im Kopf und ich bin noch nicht ganz schlüssig, was genau ich davon halten soll. Das ist im Grunde etwas Gutes bei einem Roman.
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