Maike Schöfer - Nö Eine Anstiftung zum Neinsagen

Dieses Buch habe ich letzten Monat im lokalen thalia entdeckt und habe es mitgenommen. Kannte die Autorin nicht aber das Cover sieht gut aus und eine Anstiftung zum Neinsagen kann einfach nie verkehrt sein. 

Und - Überraschung - es ist sehr lesenswert. Die Autorin Maike Schöfer ist evangelische Pfarrerin und hat Religionspädagogik studiert. Daher ist es nicht "das nächste Buch über Feminismus" sondern es ist ein weiteres Buch über Feminismus, mit einem churchy touch. Die Bibel, Religion im allgemeinen und verschiedene Geschichten werden hier immer mit eingeflochten und mit betrachtet. Fand das sehr spannend, auch wenn ich selber nicht religiös bin. Ich wurde zwar katholisch erzogen und wurde bis zur Firmung geschleift aber in meinen frühen zwanzigern hat Religion einfach keine Rolle mehr gespielt. Das wird sich nicht mehr ändern, trotzdem spreche ich niemandem den Glauben ab und finde es wie hier eben geschehen, sehr gut, eine weitere Perspektive oder Ebene mit in den Diskurs zu bringen. Als Beispiel: Maike ist dafür die Ehe als solche komplett abzuschaffen. Klingt erstmal hart aber wenn man drüber nachdenkt ein no brainer. Einen Segen kann man allen Paaren geben, egal in welcher Formation und in welcher Verbindung. Die instituionalisierte Ehe, die so sehr von Normen und Traditionen vereinnahmt ist, braucht es im Prinzip gar nicht. Es würde soviel mehr Freiheit geben aber nun gut, manche Änderungen brauchen Zeit. Das ist vollkommen okay. Solche Punkte in den Raum zu stellen, finde ich trotzdem richtig und wichtig. Vor allem macht die Autorin das mit sehr viel bedacht und erklärt ihren Standpunkt ausführlich. 

Das macht sie in allen Punkten. Jedes Nein in diesem Buch ist fettgedruckt. Hervorgehoben, so dass klar wird, wie wichtig dieses kleine Wort ist. Sei es als Ausdruck in der Sprache, als körperlicher Ausdruck oder in der Form von Lachen. Die Kapitel sind gut gewählt und geben einen sehr guten Überblick über die Auswirkungen des Patriarchats und was Frauen, Trans Personen, non-binäre Personen, körperlich beeinträchtigte Personen oder von Rassismus betroffene Personen sowie BIPoC oder FLINTA Personen im Alltag begegnet. Ein intersektionaler Feminismus der alle mit einschließt und für den das Neinsagen so wichtig ist, um sich behaupten zu können in einer Welt, die eben durch den Kapitalismus und durch das Patriarchat bestimmt wird. 

Und wie in jedem Buch, kann ich Dinge mitnehmen, die ich vorher nicht wusste. Kennt ihr zum Beispiel Die heilige Kümmernis? Das ist komplett wild und war mir wirklich komplett neu. Wikipedia sagt: Wilgefortis, auch: Ontkommer, dann in der frühen Neuzeit auch ikonographisch verändert und als Kümmernis bezeichnet, war eine fiktive Volksheilige, deren Legende im Spätmittelalter entstand. Sie wird als Gekreuzigte im langen Gewand, bärtig und gekrönt dargestellt.

Kann dieses Buch allen wirklich nur ans Herz legen. Es lässt sich super lesen, durch kurze Sätze und einem schönen Schreibstil. Ehrlich sowie offen, erzählt Maike aus ihrem eigenen Leben. 

Kurzer Hinweis noch auf einen Podcast: 331 - 3 Frauen, 3 Religionen, 1 Thema 

Maike Schöfer, evangelische Pfarrerin; Rebecca Rogowski, jüdische Bildungsreferentin und Kübra Dalkılıç, islamische Theologin. Alle Folgen findet ihr hier. Werde da nun immer mal wieder reinhören, alle zwei Wochen gibt es eine neue Folge. 


 


Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Michael Thumann - Revanche (+ Podcast Tipp)

Brigitte Doppagne - Clara

Rita Kuczynski - Mauerblume