Arundhati Roy - Das Ministerium des äussersten Glücks
Das kam unerwartet. Ich fand den Titel damals ganz gut und hab es Second Hand für 3€ oder 4€ einfach mitbestellt. Ein bisschen Roman, ein bisschen Glück, eine Autorin - alles gute Punkte.
Ich konnte ja nicht ahnen, dass das Ministerium des äussersten Glücks auf einem abgelegenen Friedhof, hinter einem Krankenhaus in Delhi liegt. Zwischen süchtigen, kranken Menschen die keinen Platz mehr im Krankenhaus finden, Gräbern und der heimlichen Protagonistin dieser Geschichte: Anjum. Sie baut sich dort ihren Posten für das Glück auf und im Verlauf der Geschichte finden mehr Menschen den Weg zu ihr. Anjum ist eine Hirja, eine Transperson bzw. intergeschlechtliche Person. Das Buch fängt mit ihrer Geschichte an, die sehr turbulent ist. Und ich bin ehrlich, die ersten 150 Seiten sind schon ein bisschen anstrengend, wenn man sich nicht wirklich mit Indien und den jeweiligen gesellschaftlichen Normen auskennt. Im Verlauf der Geschichte wird das alles schön verschachtelt und verschiedene Perspektiven eingenommen. Seien es religiöse Konflikte, die großen Protestbewegungen in Indien oder - was mich sehr überrascht hat - ein ziemlich guter Überblick über den Kaschmir Konflikt. Ich hatte schon von dem Krieg immer mal was mitbekommen aber sonderlich präsent war dieser Krieg nie bei mir. Wer mehr dazu wissen möchte, findet hier mehr Informationen. Denn in diesem Buch, ein Roman, ist es eben eine Geschichte von einem sehr einflussreichen Kaschmiri der im Untergrund gegen die indischen Regierungstruppen arbeitet und natürlich ist eine ziemlich bedrückende Liebesgeschichte eingeflochten.
Die einzelnen Teile sind ziemlich gut verschachtelt. Man verliert nie komplett den Überblick und da alles miteinander zusammenhängt. Ab der Mitte vom Buch wird es mit dem lesen einfacher und ich bin wesentlich schneller vorangekommen. Die Geschichte ist, mit all ihren Details, sehr ehrlich geschrieben, sehr offen und damit teilweise ziemlich brutal: Folterszenen, Krieg, Armut, Tod, Katastrophen und ein Alltag der für viele ein Kampf ist. Es gibt sie aber, die kleinen Hoffnungsschimmer und das Glück.
Ich bin mit keinen Erwartungen an dieses Buch herangegangen und wurde umso mehr überrascht von dem vielschichtigen Aufbau und all den Themen, die in diesem Roman eingebaut worden sind. Zudem ist es schön in einen komplett anderen Kulturbereich einzutauchen und einen Einblick in einen Teil der Erde zu bekommen, über den man kaum etwas weiß. Die Geschichte ist gut, braucht aber Zeit und ist nicht das einfachste von den Themen her. Wenn ihr euch drauf einlassen wollt, kann ich garantieren, es lohnt sich sehr.
"Wenn du einmal wie wir alle hier, einschließlich Biroo, vom Rand gefallen bist", sagte Anjum, "wirst du nie wieder aufhören zu fallen. Und während du fällst, hälst du dich an anderen fallenden Menschen fest." S. 113
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