Vanessa Vu, Ahmad Katlesh - Komm dahin, wo es still ist

Mitten im Buch hat mich der Titel getroffen. Keine Ahnung warum. Vermutlich ist es das ganze Drumherum und die eigentliche Bedeutung wird im Buch relativ am Ende nochmal näher geklärt. Für mich war der Ort wo es still ist, das Briefe/E-Mails schreiben an sich. Man spricht nicht miteinander sondern bricht es auf eine Nachricht auf Papier oder eben digital runter. Es schafft einen Ort der komplett still ist aber doch soviel mitteilt und mit ziemlich viel Bedeutung daherkommt. Vanessa Vu, in Deutschland geboren mit vietnamesischen Wurzeln und im Asylbewerberheim aufgewachsen, ist mit ihrem Partner Ahmad Katlesh, aus Damaskus geflohen und durch ein Stipendium in Düren gelandet, zusammen und beide schreiben sich E-Mails. Er auf Arabisch, sie auf Deutsch. Übersetzungen werden mit künstlicher Intelligenz angefertigt, so dass man sich doch irgendwie verstehen kann. Manche Missverständnisse treten auf aber overall können die beiden sich verständigen. Sie werden ein Paar und schreiben sich aber weiterhin E-Mails, diese sind hier im Buch aus bestimmten Zeiträumen gesammelt und bilden einen sehr tiefen Einblick in die Beziehung zueinander. Nicht nur zueinander sondern auch in ihre eigenen Gedanken, zu ihrer jeweiligen Geschichte, zu Erinnerungen, Heimat, Gefühle, Streitthemen und vieles mehr. 

Das Buch habe ich heute an einem Stück gelesen und ich war sehr beeindruckt. Es ist sovieles auf einmal. Beide sind so verschieden und gehen völlig unterschiedlich mit ihren eigenen Geschichten um. Krieg, Rassismus, Glück, die Schuld der Überlebenden, Ansprüche und vieles mehr. Trotzdem haben sie zueinander gefunden und arbeiten an ihrem Weg zusammen stetig weiter. Eine Perspektive in eine Beziehung die ich so noch nicht gelesen habe. Vor allem verbringen die beiden eben sehr viel Zeit miteinander, nutzen dieses Briefe schreiben um die schweren Themen abzuarbeiten und sich verständlich zu machen. Kann es sehr empfehlen.  


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